Küche ohne Heizung – warum das Schimmelrisiko steigt

Viele Küchen in deutschen Altbauten haben keine eigene Heizung. Manchmal gibt es einen Heizkörper, der so klein ist, dass er den Raum bei weitem nicht auf eine vernünftige Temperatur bringt. Manchmal gar keinen. Die Küche ist der kälteste Raum in der Wohnung – und das die meiste Zeit des Jahres.

Solange man dort kocht, fühlt es sich nicht so kalt an. Der Herd heizt, der Dampf wärmt kurzzeitig. Aber sobald der Herd aus ist, kühlt der Raum schnell wieder ab. Und genau in diesem Auf und Ab steckt das Problem.

Was Temperatur mit Schimmel zu tun hat

Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte. Das ist der entscheidende physikalische Zusammenhang.

Wenn beim Kochen feuchte, warme Luft entsteht und der Raum danach schnell auskühlt, verliert die Luft ihre Kapazität, die Feuchtigkeit zu halten. Die überschüssige Feuchtigkeit kondensiert – an den kältesten Oberflächen im Raum. Das sind in einer ungeheizten Küche die Außenwände, die Fenster, die Deckenecken, der Bereich hinter der Küchenzeile.

Das passiert täglich. Und in einem Raum, der dauerhaft kalt ist, trocknen diese Oberflächen zwischen den Kochvorgängen nicht vollständig ab. Die Feuchtigkeit bleibt, sammelt sich, und Schimmel findet optimale Bedingungen.

Warum ungeheizte Küchen so viel anfälliger sind

In einem beheizten Raum sind die Wände wärmer. Kondenswasser, das sich kurzzeitig bildet, verdunstet wieder, weil die Oberfläche warm genug ist. In einer kalten Küche fehlt dieser Selbstreinigungseffekt. Die Wand bleibt feucht, die Feuchtigkeit zieht ins Material ein.

Dazu kommt ein weiterer Faktor: In kalten Räumen wird seltener gelüftet. Das Fenster bei fünf Grad Außentemperatur aufzureißen ist unangenehm. Man lüftet kürzer, seltener, halbherzig. Die feuchte Küchenluft bleibt länger im Raum.

Und schließlich: Kalte Wände liegen definitiv öfter unterhalb des Taupunkts der Raumluft als warme Wände. Das bedeutet, Kondensation findet häufiger statt, an mehr Stellen, und über längere Zeiträume.

Was man tun kann – auch ohne Heizkörper

Die offensichtliche Lösung ist Wärme – aber die ist in einer Küche ohne Heizung nicht immer einfach zu bekommen. Ein paar Ansätze, die trotzdem helfen:

Den Herd gezielt nutzen, um den Raum kurz aufzuwärmen – und in dieser Zeit lüften. Wenn die Luft im Raum wärmer ist, trägt das Lüften effektiver zur Feuchtigkeitsabfuhr bei als bei kalter Raumluft.

Einen kleinen elektrischen Heizlüfter für die Küche anschaffen. Keine Dauerlösung, aber für die Wintermonate ein einfaches Mittel, die Wandtemperatur zumindest zeitweise anzuheben und damit die Kondensation zu reduzieren.

Kondenswasser aktiv wegwischen – an Fenstern, Fensterlaibungen, der Wand hinter dem Herd. In einer kalten Küche ist das keine optionale Maßnahme, sondern eine notwendige Gewohnheit.

Küchenzeile mit ausreichend Abstand zur Außenwand aufstellen. Hinter einer Zeile, die direkt an einer kalten Außenwand steht, hat Schimmel in einer ungeheizten Küche nahezu perfekte Bedingungen.

Wenn die Küche dauerhaft kalt bleibt

Wer in einer Mietwohnung ohne ausreichende Heizung in der Küche lebt, sollte prüfen, ob das ein Mangel der Mietsache ist. Eine Küche, die baulich so beschaffen ist, dass sie bei normalem Nutzungsverhalten zwangsläufig schimmelt, ist kein Mieterproblem – sondern ein bauliches.

Das ist eine Einschätzung, die im Einzelfall betrachtet werden muss. Aber wer in einer ungeheizten Küche trotz regelmäßigen Lüftens und vernünftiger Nutzung immer wieder Schimmel hat, sollte diese Frage zumindest stellen.

Schimmel in einer dauerhaft kalten Küche hat dieselben Ursachen wie Schimmel anderswo – nur unter verschärften Bedingungen. Wer versteht, warum Feuchtigkeit und Temperatur so eng zusammenhängen, bekommt ein klareres Bild davon, warum manche Wohnungen schimmelanfälliger sind als andere – unabhängig davon, wie sorgfältig man lüftet. Der Artikel zu Schimmel trotz Lüften in der Küche beleuchtet genau diesen Zusammenhang aus einer anderen Perspektive.